Die ganze Geschichte der Euregio Maas-Rhein

Paläogeographie Alt-Paläozoikum
Paläogeographie Alt-Paläozoikum

Kambrium-Zeit bis Ende Silur-Zeit

Vor Beginn des Erdaltertums vor 541 Mio Jahren existierte auf der damaligen Südhalbkugel der Erde eine ausgedehnte Kontinentalplatte aus älteren Kristallingesteinen und Gebirgszügen. Sie wird von den Geologen als Gondwana-Kontinen bezeichnet. Dessen Tiefebenen und auch die ihn umgebenden Schelfmeere füllten sich im Verlauf der Kambrium-Zeit (541 – 488 Mio J.) mit sandigen und tonigen Verwitterungsprodukten. Zum Rand des Gondwana-Kontinents gehörte auch das geologische Fundament West- und Mitteleuropas und damit auch die Euregio Maas- Rhein. Auch ihr Sockel nahm solche grobsandigen und tonigen Sedimente auf. Sie sind heute als Deville-Quarzite und-Schiefer ihre ältesten Gesteine. (Der Name „Deville” leitet sich ab von einer kleinen Stadt in den französischen Ardennen.)

Später in der Kambrium-Zeit begann sich der Boden des Schelfmeeres entlang dem Nordrand der Gondwana-Platte in tiefere Becken und Schwellen zu gliedern. Die tieferen Stillwasserbereiche füllten sich mit toniger Schwebfracht. Von den Schwellen wurde gelegentlich gröberer Sand eingeschüttet. Heute werden die reinen Tonschiefer mit Quarzit-Einschaltungen nach einem kleinen Städtchen in den französischen Ardennen als Revin-Schichten bezeichnet.

Im Verlauf der Ordovizium-Zeit (488-444 Mio J.) trennte sich ein großes Stück kontinentaler Kruste, zu dem auch die spätere Euregion Maas-Rhein gehörte, von Gondwana und driftete als „Avalonia-Mikroplatte” nach Norden. Nun kamen nur noch feinkörniges Sedimentmaterial und vulkanische Aschen zur Ablagerung. Als Salm-Schichten (so genannt nach dem Ardennenflüsschen der Salm) füllten sie tiefere Meeresteile zu einem Flachmeer auf.

In der Zeit des Silurs (444 – 417 Mio J.) kollidierte Avalonia in der Nähe des Äquators mit zwei weiteren Großplatten der damaligen Zeit, „Baltica” (Nordosteuropa) und „Laurentia” (Nordamerika). Entlang dem Nordwestrand von Avalonia entstand ein Kaledonisches Gebirge, und obwohl die heutige Euregio von der kaledonischen Front Südschottlands weit entfernt lag, erlebten ihre Sedimentgesteine doch deutliche erste Faltung.

Paläogeographie Old Red
Paläogeographie Old Red

Unterdevon-Zeit

Damit bestand zu Beginn der Devon-Zeit (417 – 358 Mio J.) durch den Zusammenschluss Avalonias mit den beiden Nordkontinenten Baltica und Laurentia in Nordeuropa ein neues ausgedehntes Festland, das die Geologen wegen seiner unter ariden Klimabedingungen gebildeten roten Verwitterungsprodukte als Old Red-Kontinent bezeichnen. In dessen Binnensenken und entlang seinen Rändern sammelten sich reichlich rote Sande und Tone. Im Verlauf der Unterdevon-Zeit (417 – 392 Mio J.) nahm auch das Gebiet der heutigen Euregio in ihren Flusstälern und Überschwemmungsebenen solche aus dem Inneren des Kontinentes geschütteten Rotsedimente auf. Entlang dem Südrand des Old Red-Kontinents senkte sich der Meeresboden stärker als im Norden. Entsprechend kamen hier zeitgleich mit den Rotsedimenten wesentlich mächtigere graue marine Sandsteine und Tonschiefer zur Ablagerung.

Paläogeographie Mittel-Devon
Paläogeographie Mittel-Devon

Mitteldevon-Zeit bis Ende Unterkarbon-Zeit

Mit einem allgemeinen Anstieg des Weltmeeresspiegels im Verlauf der mittleren Devon-Zeit (392-381 Mio J.) kam es zu einer weiten Meeresüberflutung der ganzen Euregio und weit darüber hinaus. Damit änderte sich auch der Typ der Gesteinsbildung. Das neue Flachmeer wies wegen seiner noch äquatornahen Lage tropische Wassertemperauren auf. Es entstanden dick gebankte Riffkalksteine aus Korallen und anderen Kalkschalen bildenden Organismen (Massenkalk).

Nach einer kurzzeitigen Unterbrechung durch Sandeinschüttungen in der späten Oberdevon-Zeit (381 – 351 Mio J.) setzte sich die Bildung von Flachwasserkalken auch noch durch die ganze Unterkarbon-Zeit (358 – 320 Mio J.) fort (Kohlenkalk).

Paläogeographie höheres Ober-Karbon
Paläogeographie höheres Ober-Karbon

Ende Unterkarbon-Zeit bis frühe Oberkarbon-Zeit

Ab Ende der Unterkarbon-Zeit machte sich die plattentektonische Kollision weiterer Teilplatten Gondwanas mit Mitteleuropa auch in der Euregio Maas-Rhein bemerkbar. Zunächst sammelten sich hier nur die Abtragungsprodukte von im Süden aufsteigenden Gebirgszügen, so dass das Gebiet im Verlauf des frühen Oberkarbon-Zeit (ab 358 Mio J.) von Süden her allmählich verlandete. Auf weitflächigen Deltabebenen breiteten sich Waldmoore aus, aus deren Torf bei zunehmender Überdeckung durch immer neue Ton-und Sandschichten und auch wieder Moorbildungen die Steinkohlenflöze hervorgingen.

Paläogeographie Ende Oberkarbon, variszische Faltung
Paläogeographie Ende Oberkarbon, variszische Faltung

Ende Oberkarbon-Zeit

Später, am Ende der Oberkarbon-Zeit (320 - 296 Mio J.) wurde die Euregio dann selbst in die „variszische” Faltungs- und Überschiebungstektonik mit einbezogen („Variszisker” – römische Bezeichnung für einen Volksstamm im Vogtland). Im Detail führte die Einengung zu einer unterschiedlich engen Verfaltung der Sandstein-, Quarzit- und Kalksteinbänke. Tonige Ablagerungen reagierten auf den Faltungsdruck mit Lamellierung (Schieferung).

Paläogeographie Perm
Paläogeographie Perm

Perm-Zeit bis Ende Unterkreide-Zeit

Im Verlauf der Perm-Zeit (296 – 251 Mio J.) und frühen Trias-Zeit (251-200 Mio J.) überführte ein lang andauernder Einebnungsprozess das Variszische Gebirge in eine tief liegende Rumpffläche. Auf dieser sammelten sich in tektonischen Senken und breit verzweigten Talsystemen Flusssedimente und später auch Dünensande. Sie werden wegen ihrer oft roten Farbe als Buntsandsteine bezeichnet. Später ließen die Sandschüttungen nach und im Osten kamen auch Muschelkalksteine zur Ablagerung. Nach der Trias-Zeit blieb die Euregio dann lange Zeit weitgehend sedimentfrei.

Paläogeographie Ober-Kreide
Paläogeographie Ober-Kreide

Oberkreide-Zeit

Erst in der mittleren Oberkreide-Zeit (zwischen 85 und 65 Mio J.), führte ein allgemeiner Anstieg des Weltmeeresspiegels wieder zu einer weitflächigen Überflutung der Euregio von Norden her. Erste Ablagerungen aus dieser Zeit sind Zusammenschwemmungen von Verwitterungslehmen in Form von Tonen und Feinsand (Kreide-Basiston). Dann folgten Küstensande (Aachener und Vaalser Sand) und in einer Zeit maximaler Küstenferne gleichmäßig feinkörnige Kreide-Kalksteine. Deren extreme Feinkörnigkeit geht auf die massenweise Zusammenlagerung kleinster Calzit-Plattchen, sogenannter Coccolithen zurück, die von planktonisch lebenden Geißelalgen produziert wurden. Auch sonst sind die Kreide-Kalksteine außerordentlich fossilreich. Ein weiteres charakteristisches Merkmal sind ihre Feuersteineinschlüsse.

Paläogeographie mittleres Tertiär
Paläogeographie mittleres Tertiär

Tertiär-Zeit

Nach Ende der Kreide-Zeit zog sich das Meer wieder aus der Euregio zurück. Erst in der mittleren Tertiärzeit (um 33 Mio J.) kehrte es als südwestliche Ausbuchtung der heutigen Nordsee wieder hierher zurück. In dieser Zeit bildeten sich hier entlang seiner Südküste extrem reine Quarzsande. Beim Rückzug dieses Tertiär-Meeres 15 Mio Jahre später dehnten sich in der nördlichen und östlichen Euregio Moore und Seen aus. Über weite Flächen bildete sich Torf, aus dem später Braunkohle hervorging. Besonders mächtige Torfschichten akkumulierten im Osten in der heutigen Niederrheinischen Bucht, wo das Moorwachstum eine tektonisch verursachte Absenkung des Untergrundes kompensieren konnte. Das hatte dort maximale Braunkohlenflöz-Mächtigkeiten von bis zu 100 m zur Folge.

Paläogeographie mittleres Quartär
Paläogeographie mittleres Quartär

Frühzeit des Quartärs

Mit dem Einsetzen der Kälteperioden der frühen Quartär-Zeit vor mehr als 2 Mio Jahren begann auch die zunächst noch langsame Heraushebung der heutigen Eifel- und Ardennen-Gebiete. Ihre lockere Tertiärsandbedeckung und auch ihre Kreidekalksteindecke wurden durch Flüsse bis auf die vorkreidezeitliche Einebnungsfläche abgeräumt. Dagegen sanken im nördlichen Euregio-Gebiet die westlichen Randschollen der Niederrheinischen Bucht weiter ab und konnten so die Flussfracht aus dem Süden aufnehmen. Die Urmaas als Hauptsammler mündete im frühen Quartär noch bei Jülich in den Urrhein. Entsprechend finden sich in den älteren fluviatilen Kiesen und Sanden der nördlichen Euregio hauptsächlich Maasschotter und -sande. Sie unterscheiden sich durch ihre Gerölle und Schwerminerale deutlich von denen des Urrheins.

Paläogeographie spätes Quartär
Paläogeographie spätes Quartär

Vor der Weichsel-Kaltzeit

Erst vor etwa 700 000 Jahren, vor den letzten beiden großen Kaltzeiten (Saale-Kaltzeit und Weichsel-Kaltzeit) steigerte sich die Heraushebung der Eifel- und Ardennen-Rumpffläche. Dadurch verstärkte sich das Gefälle ihrer Flüsse, und diese begannen, tiefe Kerbtäler in den Untergrund einzuschneiden. Im Detail wurde diese Tiefenerosion aber durch eine unterschiedliche Wasserführung infolge des Wechsels von Kalt- und Warmzeiten und auch durch ungleichmäßige Hebungsraten modifiziert.

Auch das weitere Vorland der Eifel und Ostardennen wurde in die allgemeine Landhebung einbezogen, so dass die Urmaas ihren Lauf in ihre heutige nördliche Richtung änderte, und es entlang der nach Norden fließenden Tieflandflüsse zur Terrassenbildung kam. Überall im Tiefland der nördlichen Euregio sind die Schotterflächen der Tieflandflüsse mit einer bis zu mehrere Meter dicken Löss-Decke überzogen. Deren feiner Staub hatte sich im Verlauf der letzten Kaltzeit vor dem Anstieg der Eifel und Ardennen niedergeschlagen.

Euregio Maas-Rhein
Euregio Maas-Rhein

Nach der Weichsel-Kaltzeit bis heute

Nach Ende der Weichsel-Kaltzeit, stellten sich in der Euregio Maas-Rhein vor 10 000 Jahren atlantische Klimabedingungen - wie heute - ein . Das Landschaftsbild wechselte von einer spätkaltzeitlichen Tundra zu einem flächendeckenden Waldland. Seit Ende der Jungsteinzeit (vor ca. 4000 – 5000 Jahren) machte sich dann zunehmend ein Einfluss des Menschen bemerkbar. Durch Abholzen und Brandrodung wurde fruchtbares Ackerland gewonnen. In der Zeit der römischen Besatzung im 1. bis 3. Jahrhundert n. Chr. verstärkte sich dieser Trend. Straßen wurden angelegt, Ortschaften gegründet und zu deren Versorgung um viele Einzelgehöfte herum Ackerbau betrieben. In karolingischer Zeit (zwischen 800 und 1200 n. Chr.) wurden dann zunehmend Königsgüter und Klöster zu Rodungszellen, von denen aus der urtümliche Naturwald zurückgedrängt wurde. Im Spätmittelalter (zwischen 1200 und 1600 n. Chr.) stellten Tuchmacherei und das Eisen- und Messinggewerbe besondere Ansprüche an die Verfügbarkeit von Rohstoffen, Wasser und Holzkohle. Dieses war auch die Zeit eines deutlichen Wachstumsschubs für die Städte Lüttich, Maastricht und Aachen. In der beginnenden Neuzeit (1600 bis 1800 n. Chr.) stieg der Holzkohlebedarf des Eisen und Messinggewerbes in der Euregio stark an, was besonders im Bergland zu großflächigen Entwaldungen und einer weiten Verbreitung von Ödland führte. Mit der Übernahme industrieller Produktionstechniken aus England verwandelte sich dann dass Gebiet zwischen Lüttich und Aachen zunehmend in eine Industrieregion mit einem großen Bedarf an Rohstoffen und Arbeitskräften. Durch den Bau von Bergwerken und Hüttenwerken, von Straßen, Eisenbahntrassen, Schifffahrtskanälen und Arbeitersiedlungen änderte sich das Landschaftsbild hier deutlich. Auch das Bild der Nordeifel und Ostardennen änderte sich. Das Ödland wurde mit dem Ziel der Nutzholzgewinnung wieder aufgeforstet, die Landwirtschaft ging zur Grünlandwirtschaft über und die Dörfer erweiterten sich.

Nach den zwei großen Kriegen des 20. Jahrhunderts hat sich die Euregio Maas Rhein zu einer am Bedürfnis ihrer Bewohner orientierten reinen Kulturlandschaft entwickelt.

Nur noch kleinere Enklaven vor allem im Eifel- und Ardennenbergland sind unter Naturschutz gestellt.