Die geologische Schichtenfolge der Rureifel

Die in der Rureifel auftretenden Gesteinsarten beschränken sich auf klastische Gesteine („Trümmergesteine“), d. h. auf Gesteine, die sich aus Bruchstücken oder Einzelmineralen älterer Gesteine zusammensetzen.

Die geologische Schichtenfolge der Rureifel
Die geologische Schichtenfolge der Rureifel

Die Schichtenfolge der Unterdevon-Gesteine der Rureifel beginnt an ihrem Nordrand zum Hohen Venn mit Konglomeraten („Gedinne-Konglomerat“). In seitlich auskeilenden Linsen überlagern sie dort sehr viel ältere Schiefer und Sandsteine der Salm-Schichten, die bereits zum Hohen Venn gehören. Die Gerölle der Konglomerate bestehen fast ausschließlich aus Quarzit aber auch aus Gangquarz und erreichen bis zu 40 cm Durchmesser. Wegen ihrer Härte bilden die Konglomeratbänke häufig Gesteinsklippen, z. B. an der Katzenhardt bei Vossenack und als Richelsley in der Nähe von Kalterherberg.

Gesteine der Rureifel
Gesteine der Rureifel

Über dem Gedinne-Konglomerat folgt entlang dem ganzen Südrand des Hohen Venn eine zwischen 30 und über 100 m mächtige Sandsteinfolge („Arkose von Weismes“). Sie besteht vorwiegend aus hellen, z.T. weißen Quarzsandsteinen, grobkörnigen Feldspat führenden Sandsteinen (Arkosen) und feinstückigen Konglomeraten. Zwischen Lammersdorf und Simmerath wurden sie bis in das vorige Jahrhundert hinein in verschiedenen Steinbrüchen als Baustein gebrochen. Die Arkose von Weismes entstand im flachen Meer, mehr oder weniger küstennah unter dem Einfluß von Gezeitenströmungen und Sturmereignissen.

Den Anfang der Siegen-Stufe bilden die Monschau-Schichten. Es handelt sich um dunkelgraue, oft quarzitisch harte Sandsteine mit vielen Tonschieferfetzen, dunkelgraue feinsandige Schiefer und untergeordnet auch reine Tonschiefer. Als Sedimentstrukturen zeigen die Sandsteine Rinnenfüllungen, Schrägschichtung, Rippelschichtung, was auf stark wechselnde Strömungsbedingungen schließen lässt. Die Mächtigkeit der Monschau-Schichten variiert stark zwischen über 1300 m bei Monschau und wenig mehr als 100 m z. B. nordöstlich der Kalltalsperre. In Monschau wurden die harten Sandsteine und auch die Schiefer der Monschau-Schichten im Mittelalter zum Bau der Burg und des Auklosters und später der Evangelischen Kirche und vieler Bürgerhäuser gebrochen. Bis in das 20. Jahrhundert hinein bestanden hier entlang der Rur und im unteren Perlenbachtal zahlreiche Steinbrüche, in denen die harten Sandsteine als Bausteine (u. a. für die Ordensburg Vogelsang) oder als Schüttmaterial abgebaut wurden.

Schichtung in Sandsteinen der Rureifel
Schichtung in Sandsteinen der Rureifel

Auf die sandsteinreichen Monschau-Schichten folgen im unteren Kalltal und im Rurtal weit verbreitet tonreichere Rurberg-Schichten. Charakteristisch für die Unteren Rurberg-Schichten sind grünlich-graue bis dunkelblaugraue Tonschiefer mit nur geringen feinsandstreifigen Anteilen und nur wenigen Sandsteinbänken. Reine Tonschiefer wurden örtlich als Dachschiefer abgebaut. In den Mittleren Rurberg-Schichten nimmt die feinsandige Komponente in den Tonschiefern zu und auch die Zahl quarzitisch härterer Sandsteinbänke vermehrt sich allmählich Die Oberen Rurberg-Schichten zeigen dann eine deutliche Zunahme des Sandsteinanteils, jedoch ohne scharfe Grenze zum Liegenden. Graue bis grünlich-graue Farben herrschen vor. Wegen ihrer lithologischen Einförmigkeit und ihrer starken Verfaltung und Schieferung lassen sich für die Rurberg-Schichten kaum exakte Mächtigkeiten ermitteln. Die Unterschiede von Profil zu Profil sind jedenfalls groß (zwischen 1.500 m im Nordkosten und über 3.000 m im Südwesten). Seit dem Mittelalter dienten die Sandsteine und Schiefer der Rurberg-Schichten als Baumaterial für Kirchen, Wohnhäuser und Mauern. An vielen Stellen lassen sich heute noch die Kuhlen von Abbaustellen und aufgelassene Steinbrüche erkennen, vor allem im Verbreitungsgebiet der sandsteinreicheren Oberen Rurberg-Schichten. Westlich des Urftsees werden die Oberen Rurberg-Schichten seitlich von den Wüstebach-Schichten abgelöst, deren stark geschieferte dunkelgraue Tonschiefer ähnlich wie die reinen Tonschiefer der Unteren Rurberg-Schichten örtlich Dachschieferqualität besitzen. Zuletzt wurden noch nach dem 2. Weltkrieg in der Leykaul („Schiefergrube“) bei Erkensruhr Dachschiefer gebrochen.

Östlich der Urft folgen auf die Rurberg-Schichten die Heimbach-Schichten mit sandärmeren Tonschiefern, aber ähnlichen Sandsteinanteilen Die Sandsteine sind weniger tonig als die der Rurberg-Schichten, aber oft glimmerreich und von grauer bis weißlich-grauer Farbe. Eine gelegentlich zu beobachtende ziegelrote bis braun-rote Verfärbung der Heimbach-Schichten geht auf eine spätere Oberflächenverwitterung zurück. Sie reicht selten mehr als 20 m tief. Die Heimbach-Schichten sind sicher mächtiger als 500 m. Im Verbreitungsgebiet der Wüstebach-Schichten sind auch die unteren Heimbach-Schichten als Schiefer ersetzt.

Südlich der Heimbach-Schichten sind die Schleiden-Schichten sandsteinreicher. Reine Tonschieferhorizonte sind geringmächtiger. Die Sandsteine treten teilweise in mächtigen Bankfolgen von bis zu 20 m Mächtigkeit auf. Im Steinbruch Höddelbusch in Schleiden wurden sie noch in den 30er Jahren des 20.Jahrhunderts als Bausteine für die Ordensburg Vogelsang abgebaut. Bezeichnend ist ein gewisser Karbonatgehalt dieser Sandsteine. Häufige Rinnenbildung, Schrägschichtung, Rippelmarken und viele andere Hinweise lassen sich als Anzeichen einer zunehmenden Verflachung ihres Bildungsraums werten. Örtlich sind auch Pflanzenreste zu dünnen Brandschieferflözen zusammengeschwemmt.

Jüngstes Glied der unterdevonischen Schichtenfolge der Rureifel sind die Klerf-Schichten. Sie gehören wie auch schon die Schleiden-Schichten der Ems-Stufe an. Die Klerf-Schichten zeichnen sich durch grüne, aber auch rot-violette Tonsteine und Schluffsteine und tonige, teils quarzitische Sandsteinbänke von ebenfalls grünlicher, rötlicher oder grauer Farbe aus. Mit ihren bunten Farben, einem reichhaltigen Inventar an Sedimentstrukturen wie Schrägschichtung, Rippelschichtung und Erosionsrinnen und mit häufig Pflanzenhäckseln zeigen die Klerf-Schichten eine allgemeine Verflachung des Nordeifelbeckens zu einem Wattengebiet an, das unter starkem Festlandseinfluß stand. Ihre Mächtigkeit dürfte 1000 m überschreiten. Abgeschlossen werden die Klerf-Schichten durch den sogenannten Emsquarzit, einen geringmächtigen (bis 30 m) Sandstein-Quarzithorizont. Die Sandsteine und Quarzite sind hell, meist feinkörnig und kieselig gebunden. Ihre Bänke können sehr hart sein. Sowohl die Klerf-Sandsteine als auch der Emsquarzit waren seit dem Mittelalter viel verwendete Bausteine. Mit den an die Klerf-Schichten und den Emsquarzit anschließenden Heisdorf-Schichten beginnt dann die kalksteinreiche Schichtenfolge der südlich an die Rureifel anschließenden Kalkeifel.

Fossilien in der Rureifel
Fossilien in der Rureifel

Die mit der Zeit und auch von Ort zu Ort wechselnden Sedimentationsbedingungen der Unterdevon-Zeit bestimmten auch die Lebens- und Entwicklungsmöglichkeiten für die damalige Pflanzen- und Tierwelt. Küstennahe Wattengebiete boten gut Möglichkeiten für das massenhafte Auftreten von Algen und auch die Entstehung erster Landpflanzen. In den südlich anschließenden Flachmeerbereichen waren Brachiopoden (Armfüßer) und Muscheln besonders erfolgreiche Bewohner des Meeresbodens. In unterdevonischen Sandsteinen gehören auch Stielglieder von Crioniden zu den häufigsten Fossilresten. Als aktive Schwimmer bewegten sich Panzerfische im offenen Wasser. Dass heute dennoch in den unterdevonischen Schiefern und Sandsteinen der Rureifel verhältnismäßig wenige Fossilien gefunden werden, liegt an der Mächtigkeit der Schichtenfolge, über die sie sich verteilen, und an ihrer nachträglichen Zerstörung durch die Gesteinsschieferung.

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