Hochflächen und Täler in der Rureifel

Das heutige Relief der Rureifel ist gekennzeichnet durch flachwellige Hochflächen und dazwischen tief eingeschnittene Flusstäler. Die Flusstäler – das heutige Rurtal und seine Nebentäler des Perlenbachs, der Urft bzw. Olef und der Kall – sind erst im Verlauf der jüngeren Quartär-Zeit (seit ca. 800.000 Mio Jahren) entstanden. Vor dieser Zeit bestand hier eine durchgehend, fast ebene Landschaft.

Hochflächenbildung in der Rureifel
Hochflächenbildung in der Rureifel

Örtliche Funde von Kreidefeuersteinen und verstreut liegenden Einzelblöcken aus verfestigtem Tertiär-Sand auf den heute am höchsten herausgehobenen Hochflächen (sog. „Altflächen”) des Hohen Venns und der südlichen Rureifel lassen darauf schließen, dass diese während der Oberkreide-Zeit und mittleren Tertiär-Zeit viel tiefer lagen als heute und wenigstens kurzfristig vom Meer überflutet waren. Als sich die Nordeifel gegen Ende der Tertiär-Zeit langsam aufzuwölben begann, verwitterten die zuvor gebildeten Kreide- und Tertiärsedimente und wurden bis auf ganz wenige Reste wieder abgetragen. Eine weitere Anhebung des Gebiets sorgte dann für eine weitergehende flächenhafte Abtragung des Rureifel-Untergrundes rund um die heute erhaltenen Altflächen-Reste. Die jüngeren dieser Erosionsflächen („Jungflächen” ) stellten teilweise gestufte Plateauflächen dar, auf denen die Vorläuferflüsse der heutigen Rur und der heutigen Kall im Laufe der Zeit sanft geböschte Muldentäler mit breiten Sohlen ausräumten.

Heute umfasst das Relief der Rureifel aber auch die tief in den Untergrund eingeschnittenen Flusstäler der Rur, des Perlenbachs, der Urft, der Olef und der Kall sowie ein dichtes Netz von ebenso tief eingekerbten Nebentälern. Dieses Talnetz ist erst in der jüngsten Quartär-Zeit im Zuge der verstärkten Heraushebung der Nordeifel entstanden.

Entstehung eines Kerbtals durch rückschreitende Erosion
Entstehung eines Kerbtals durch rückschreitende Erosion

Mit Einsetzen dieser Hebung vor ca. 800.000 Jahren bildeten sich in den Rureifelflüssen steilere Gefällstrecken, die durch rückschreitende Erosion flussaufwärts in Richtung Quellen wanderten. Diese Steilstrecken stellten wildbachähnliche Gerinne dar. Durch die deshalb intensivere Tiefenerosion wurden die bestehenden Muldentäler in Kerbtäler mit zunächst schmalen Böden umgeformt. Im Laufe der Zeit reichte diese Vertiefung der Haupttäler der Rureifel-Flüsse bis weit in deren Quellgebiete hinein. Auch in den Nebentälern führte die rückschreitende Erosion zu einem verstärkten Einschneiden der Bäche und zu einer Versteilung der Talflanken bis an die Quellmulden.

Talbildung in der Rureifel
Talbildung in der Rureifel

Außer durch die starke Heraushebung wurde die Talbildung der jüngsten Quartär-Zeit auch durch die damals besonders krassen Klimawechsel mitbestimmt. In Kaltzeiten entstanden Frostschuttböden, die durch Bodenfließen oder Hangrutschen in die Fluss- und Bachtäler gelangten, dort aber infolge geringer Niederschläge und Wasserarmut der Flüsse nur zum Teil abtransportiert werden konnten. Gegen Ende der Kaltzeiten und zu Beginn der Warmzeiten räumten die dann wieder besonders wasserreichen Flüsse diese Frostschuttmassen ab, wodurch eine besonders starke Tiefenerosion vorherrschte. Während der anschließenden Warmzeiten endete diese Tiefenerosion und die kaum noch Schotter führenden Flüsse begannen hin und her zu pendeln und die Talböden zu Terrassen zu verbreitern.

Zusammen mit der anhaltenden beschleunigten tektonischen Hebung der Rureifel seit etwa 800.000 Jahren führte dieser mehrfache klimabedingte Wechsel von Aufschotterung, verstärkter Tiefenerosion und dann Seitenerosion zu einem treppenförmigen Einschneiden der Flüsse und größeren Bäche in das Grundgebirge. Zuerst entstanden steilwandige Kerb- und Sohltäler. Diese verbreiterten sich in den Warmzeiten, setzen sich aber weiterhin mit deutlichen Steilkanten scharf gegen das höher liegende Muldental ab. Die heute noch erkennbaren Reste dieser Talböden werden als „Hauptterrassen” bezeichnet. Zwischen 500.000 und 250.000 Jahren vor heute, also nach der Elster-Kaltzeit und frühen Saale-Kaltzeit, verstärkte sich die Erosionstätigkeit der Flüsse und Bäche der Rureifel wieder deutlich und deren Täler vertieften sich noch einmal bis weit in ihren Oberlauf hinein. Die Reste der neuen Talsohlen werden als „Mittelterrassen” bezeichnet. Am Ende der Saale-Kalktzeit, also vor 160.000 Jahren, kam es dann ein letztes Mal zu einer verstärkten Talvertiefung mit meist aber nur schmalen „Niederterrassen”. Diese Talböden liegen nur wenige Meter über dem heutigen Talgrund und sind vielfach noch mit Schottern aus der letzten Kaltzeit (Weichsel-Kaltzeit) und jüngeren Hochflutlehmen und Fließerden bedeckt.

In den großen Rureifelflüssen reichte die rückschreitende Erosion der Niederterrassenzeit nicht mehr bis in ihre Quellgebiete, so dass sie in ihrem Oberlauf noch streckenweise in ihrem Mittel- und Hauptterrassenniveau fließen. In den kürzeren Seitentälern reicht die jüngste Kerbtalbildung dagegen meistens bis an die Quellmulden.

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