Talsperren in der Rureifel

Hohe Niederschläge in der Rureifel und im angrenzenden Hohen Venn (800 bis 1.300 mm im Jahr) und ein kaum wasserdurchlässiger Untergrund haben schon früh zur Planung von Talsperren-Bauwerken in der Rureifel geführt. Gründe waren in erster Linie der Hochwasserschutz und eine Verstetigung des Wasserabflusses im Unterlauf der Rur durch die Städte Düren und Jülich. Hinzu kam ein hoher Bedarf an Industriewasser z.B. in der Dürener Papierindustrie, ein wachsender Bedarf an Trinkwasser in der Rureifel selbst und im Eifelvorland sowie die Nutzung der Wasserkraft zur Gewinnung von elektrischer Energie.

Als erste wurde zwischen 1903 und 1905 die Urfttalsperre von dem Aachener Wasserbauer Professor Otto Intze erbaut. Sie besitzt ein Stauvolumen von 45 Mio Kubikmetern. Ihre 54 m hohe Schwergewichtsmauer war damals die größte Staumauer Europas. Die Urfttalsperre sollte Hochwasser- und Trockenperioden ausgleichen. Sie diente aber auch gleichzeitig der Gewinnung von elektrischer Energie durch das Jungendstilkraftwerk Heimbach-Hasenfeld mit dem sie durch einen 2,7 km langen Stollen unterhalb des Kermeters verbunden war.

1911 erfolgte die Inbetriebnahme der nördlich der Rureifel gelegenen Dreilägerbachtalsperre bei Roetgen. Deren Stauvolumen betrug damals wie heute 4,28 Mio. Kubikmeter. Die Dreilägerbachtalsperre ist heute mit einer modernen Trinkwasser-Aufbereitungsanlage verbunden, in der heute auch das Wasser der übrigen Rureifeltalsperren für das Versorgungsgebiet Aachen aufbereitet wird.

1935 wurde die Kalltalsperre unterhalb Lammersdorf fertiggestellt. Ihr Absperrbauwerk ist ein 34 m hoher Steinschüttdamm mit einer Betonplatte im Kern. Die Kalltalsperre ist eine Trinkwassertalsperre und wird entsprechend geschützt. Ihr Fassungsvermögen ist allerdings im Vergleich mit den andern Talsperren der Rueifel mit 2 Mio Kubikmetern gering. Zwischen 1924 und 1926, also bereits vor der Errichtung des Staudamms, waren hier die Kall und der ihr zufließende Keltzerbach durch einen 6,4 km langen Kallstollen mit der Dreilägerbachtalsperre verbunden.

Die größte Talsperre der Rureifel ist die Rurtalsperre Schwammenauel zwischen Rurberg und Heimbach. Sie wurde 1938 mit einem Stauvolumen von 101 Mio Kubikmetern in Betrieb genommen. 1959 wurde ihr Staudamm von 56 auf 71,5 m aufgestockt und damit ihr Stauinhalt auf 203 Mio Kubikmeter erhöht. Schon vor der Aufstockung bestand bei Rurberg ein Vorbecken, das den Wasserzufluss in den Talperrenraum verstetigen sollte. Sein Paulushofdamm wurde im Rahmen der Aufstockung ebenfalls erhöht und ließ den sogenannten Obersee entstehen, der heute bis Einruhr und bis an den Fuß der Urfttalsperre reicht. Der Obersee ist heute über eine Pumpstation und einen Stollen („Heinrich-Geis-Stollen”) mit der Kalltalsperre verbunden, die ihrerseits durch den Kallstollen mit der Dreilägerbachtalsperre in Verbindung steht.

Der Talsperrenverbund der Nordeifel
Der Talsperrenverbund der Nordeifel

Unterhalb der Rurtalsperre Schwammenauel bestehen seit den 1930er Jahren bei Heimbach und bei Obermaubach noch zwei kleinere Stauanlagen als Tages- und Wochenendausgleichsbecken für die Wasserkraftwerke der Urfttalsperre (Kraftwerk Heimbach) und der Rurtalsperre (Kraftwerk Schwammenauel). Sie gleichen die Wasserstandsschwankungen aus, die durch den wöchentlich stoßweisen Betrieb der beiden Kraftwerke entstehen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden in den 1950er Jahren die Oleftalsperre und die Perlenbachtalsperre. Die Pläne für den Bau der Oleftalsperre gehen allerdings schon bis auf das Jahr 1896 zurück. In erster Linie dachte man damals an eine Vergleichmäßigung des Wasserabflusses in das Schleidener Tal. Später, vor dem 2. Weltkrieg, kamen das Argument der Trinkwasserversorgung des Raumes Hellenthal und die Ergänzung der Trinkwasserreserven der Urttalsperre und des Rurtalsperren-Systems dazu. Das heute 54 m hohe Sperrbauwerk wurde als Pfeilerbaumauer nach Vorbildern aus dem Alpenraum errichtet. Inzwischen wurde es aber bereits zweimal erneuert und modernisiert. Der Stauinhalt erreicht bei vollständiger Füllung 19,3 Mio Kubikmeter. Auch die Oleftalsperre trägt heute über den Urftsee und den Obersee und von dort über die Kalltalperre und die Dreilägerbachtalsperre zur Trinkwasserversorgung der Aachener Region bei.

Die zwischen 1953 und 1956 gebaute Perlenbachtalsperre besitzt mit 0,8 Mio Kubikmeter ein verhältnismäßig kleines Stauvolumen. Sie dient heute der Trinkwasserversorgung der umliegenden Rureifelgemeinden

Den Talsperrenbauern der Eifel war es immer wichtig, die Einbindung ihrer technischen Bauwerke in das Landschaftsbild möglichst harmonisch zu gestalten. Die geschützten Trinkwassertalsperren der Olef, der Urft, des Obersees zwischen Einruhr und Rurberg und im Kalltal sind heute beliebte Ausflugsziele für Wanderer und Radfahrer. Die „Seeenplatte” der Rurtalsperre Schwammenauel bietet darüber hinaus beste Möglichkeiten zum Segeln und Surfen, zum Bootfahren und zum Schwimmen.

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