Faltung und Schieferung in der Rureifel

Ein auffälliges Merkmal der Devon-Gesteine der Rureifel ist ihre tektonische Deformation durch Faltung und Schieferung. Diese Verformung ist das Ergebnis eines tektonischen Zusammenschubs in diesem Gebiet im Verlauf der Oberkarbon-Zeit (Variszische Faltung). Im Kartenmaßstab zeichnet die heutige Verbreitung der sandsteinreicheren und nur mäßig stark geschieferten Oberen Rurberg-Schichten und Heimbach-Schichten einen breiten Südwest-Nordost ausgerichteten Faltenbau nach. Im Detail lassen sich in den steilen Talhängen und in Straßenböschungen oft Spezialsättel und –mulden mittlerer Größe (mehrere Zehner Meter) und Kleinfalten in Dezimeter- und Zentimeter-Maßstab direkt beobachten. Ihre Achsen fallen gewöhnlich mittelsteil nach Nordosten ein. Die Neigung der Achsenebenen ist in der Regel gegen Nordwesten gerichtet.

Tektonisches Inventar von Falten
Tektonisches Inventar von Falten

In ihren tonreicheren Abschnitten sind die Devongesteine der Rureifel von einer deutlichen Transversalschieferung parallel zu den Achsenebenen betroffen. Dabei handelt es sich um ein durch den Gebirgsdruck der Faltung entstandenes engständiges Flächengefüge senkrecht zur Haupteinengungsrichtung. Nur tonreiche Schichten sind von ihr betroffen, denn nur die plättchenförmigen Tonminerale lassen sich durch tektonischen Druck oder durch Umkristallisation senkrecht zur Kompressionsrichtung parallel stellen. Durch ihre parallele Ausrichtung entsteht die gewöhnlich enge Spaltbarkeit des Gesteins, die als „Schieferung” bezeichnet wird. Aus Tonsteinen werden auf diese Weise Tonschiefer. Auch tonreiche Siltsteine können zu Schiefern werden. Allerdings lassen sie sich nicht so eng und sauber spalten wie die rein tonigen Tonschiefer.

Wo in der Rureifel mächtigere Tonschichten von einer Schieferung betroffen wurden, konnten sie im 18. und 19. Jahrhundert als Dachschiefer abgebaut werden. Das war besonders der Fall in den tonreichen Partien der Monschau-Schichten bei Monschau, in den Unteren Rurberg-Schichten bei Simmerath und im Kalltal, und den Wüstebach-Schichten im Tal der Erkensruhr. Historische Dachschiefergruben sind heute noch an ihren Halden und ihren Stolleneingängen zu erkennen.

Mit dem tektonischen Zusammenschub und der Faltung war immer auch eine mehr oder weniger engständige Zerklüftung der Sandsteinbänke verbunden. Bei den Klüften handelt es sich um sich regelmäßig wiederholende ebene Bruchflächen, in den meisten Fällen senkrecht zur Bankung. Die Ausrichtung dieser Kluftflächen hing von dem Kräfteplan der auf das Gestein einwirkenden tektonischen Spannung ab. Querklüfte öffneten sich mehr oder weniger senkrecht zur Einengungsrichtung und lassen auf eine ausweichende Gesteinsdehnung schließen. Oft sind sie mit neu gebildetem weißem Quarz (Milchquarz) gefüllt. Diagonalklüfte gehen auf die Scherbeanspruchung des Gessteins bei dem Einengungsprozess zurück. Sie sind sehr oft fiederartig versetzt (Fiederklüfte) und boten ebenfalls Platz für eine Füllung mit Milchquarz.

Von Verwerfungen ist die Rede, wenn an tektonischen Bruchflächen eine deutlich wahrnehmbare Verschiebung zweier Gesteinsblöcke gegeneinander stattgefunden hat. Ist die Verschiebungsfläche geneigt und hat sich die über ihr liegende Gesteinsscholle nach oben bewegt, so dass es zu einer Verkürzung des ganzen Gesteinskörpers kommt, spricht man von Aufschiebungen oder Überschiebungen. Hat sich die über der Verwerfung liegende Gesteinsscholle nach unten bewegt, so dass es zu einer Auslängung des ganzen Gesteinskörpers kommt, spricht man von einer Abschiebung.

Tief in den Untergrund reichende Verwerfungen boten in der geologischen Vergangenheit immer wieder heißen wässrigen Lösungen die Möglichkeit, aus tieferen Erdschichten in Richtung Erdoberfläche aufzusteigen. Mit abnehmender Temperatur kristallisierten dabei nicht nur Quarz oder Calzit-Minerale auf den begrenzenden Gesteinswänden aus sondern auch Erzminerale wie Kupfer-, Zink-, Blei- und Eisenminerale. Wo diese von der Erdoberfläche her abgebaut werden können, spricht man von Ganglagerstätten.

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