Die Geschichte des Rheinischen Braunkohlereviers

Die Geschichte des Rheinischen Braunkohlereviers

Rheinische Braunkohle, Karte
Das Rheinische Braunkohlerevier

Braunkohle entsteht aus Torf, der bei Überlagerung durch andere Sedimente unter der Einwirkung von höherer Temperatur und höherem Druck Wasser verliert und infolge mikrobiologischer Zersetzungsprozesse auch leichtflüchtige Bestandteile abgibt und dadurch Kohlenstoff anreichert.

Die Braunkohlenflöze des Rheinischen Braunkohlereviers entstanden in der jüngeren Tertiär-Zeit (im Miozän) zwischen 20 und 8 Mio Jahren vor heute. Damals zog sich das bis in die Nordeifel reichende tertiärzeitliche Nordmeer allmählich aus der Niederrheinischen Bucht zurück und über seiner flachen Küstenebene breiteten sich ausgedehnte Ried- und Waldmoore aus. Zeitweilig wurde diese Moorbildung auch durch neue Überflutungen und Überdeckung mit Meeressand unterbrochen. Aus einer besonders lange anhaltenden Moorbildungsphase bei gleichzeitiger starker Absenkung des Untergrundes ging damals im Osten der Niederrheinischen Bucht ein 200 m mächtiges Torfpaket hervor, aus dem durch die o. g. Inkohlungsprozesse das heutige Braunkohlen-Hauptflöz hervorging. Nach Nordwesten spaltet sich dieses Hauptflöz durch wiederholte Einschaltungen von bis 30 m mächtigem Meeressand in die drei Teilflöze Morken, Frimmersdorf und Garzweiler auf. Das Hauptflöz und seine Teilflöze stellen heute die größte geschlossene Braunkohlenlangerstätte Europas dar. Nach der Entstehung dieser Hauptflöz-Gruppe kam es zwischen 7 und 6 Mio J. v. h. noch einmal zur kurzzeitigen Bildung einer Oberflözgruppe mit den Flözen Friesheim, Kirchberg und Schophoven.

Die Nutzung von Braunkohle als Energierohstoff reicht im Rheinischen Revier bis in das späte 17. Jahrhundert zurück. Durch den zunehmenden Engpass an Brennholz und Holzkohle stieg damals der Bedarf an Brennmaterial deutlich an, so dass man in der Ville bei Brühl und Frechen begann, den dort oberflächennah anstehenden „Turf” in kleinen Gruben mit Hacke und Spaten abzugraben, an der Luft zu „Klütten” zu trocknen und diese als Heizmaterial zu verkaufen. 1819 stieß man auch im Westrevier, am Lucherberg bei Inden, beim Bau eines Brunnens auf ein Braunkohleflöz und begann 1826 mit seinem untertägigen Abbau. Fast gleichzeitig entdeckte man auch bei Juntersdorf nahe Zülpich Braunkohle in 10 und 20 m Tiefe und begann auch hier mit ihrem Abbau von Schächten aus und in Stollen. Auch am Westrand der Niederrheinischen Bucht, bei Herzogenrath, wurde zwischen 1857 und 1897 in der Grube Maria Theresia Braunkohle abgebaut und 1888 die erste Brikettfabrik errichtet.

Zu Beginn des allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwungs in Deutschland nach 1870 machten erstmals dampfbetriebene Entwässerungspumpen und die Herstellung von Briketts mit maschinellen Pressen die Braunkohlenvorkommen der Ville gegenüber anderen Energieträgern, z. B. der Steinkohle, konkurrenzfähig. Die ersten Brikettfabriken waren meist kleine bis mittelgroße Betriebe. Und auch die Tagebaue waren zunächst noch kleine Gruben. Sie entwickelten sich aber im Zuge der Mechanisierung des Abbaus ständig weiter. Um die Jahrhundertwende wurden die ersten dampfbetriebenen Eimerkettenbagger eingeführt. Der Abraum wurde durch Werksbahnen abgefahren. Hinzu kam der Bau lokaler Eisenbahnlinien, welche die Gruben mit Brikettfabriken verbanden. Im heutigen Westrevier wurde 1913 die Braunkohle-Industrie AG Zukunft (BIAC), ein Zusammenschluss verschiedener kleiner Gewerkschaften, mit dem Ziel gegründet bei Weisweiler einen größeren Tagebau Zukunft und ein Kraftwerk einzurichten.

Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts verbesserten sich die Abbau- und Verarbeitungstechniken des Braukohlebergbaus deutlich. In der Ville wurden in immer neuen Gruben auch tiefer liegende Braunkohleflöze erschlossen und die Kraftwerke und Brikettfabriken wurden leistungsfähiger. Als in der südlichen Ville die dicht unter der Erdoberfläche liegenden Kohlelager ausgekohlt waren, wurden die weiter im Norden liegenden Tagebaue ausgebaut bzw. neue erschlossen, um den erhöhten Kohlebedarf zu decken. Westlich von Bergheim wurde Braunkohle seit 1941 sogar in einer Tiefbau-Schachtanlage aus 350 m Tiefe gefördert

Nach dem 2. Weltkrieg gewannen im Braunkohlebergau Schaufelradbagger immer mehr an Bedeutung, der Abraumtransport wurde ganz überwiegend auf Bandförderanlagen umgestellt und bei der Nutzung der Braunkohle verdrängten immer modernere stromerzeugende Kraftwerke die Brikettfabriken. Je weiter die Tagebaue aber nach Norden und Westen vordrangen, desto ungünstiger wurden die Abbaubedingungen durch mächtigere Deckschichten über der Kohle und durch eine immer aufwendigere Wasserhaltung. Dadurch war die Kohleförderung mit zunehmenden bergmännischen und finanziellen Risiken belastet. Aus diesem Grunde erfolgte 1960 eine Fusion der bis dahin bestehenden Bergbaugesellschaften, darunter auch die BIAC des Westreviers, zur Rheinischen Braunkohlenwerke AG („Rheinbraun”). Sie machte die Neuerschließung und den Betrieb der Großtagebaue Zukunft-West ( bis 1983), Inden (seit 1957), Hambach (seit 1978) und Garzweiler (seit 1983) möglich. 2018 lag die jährliche Abbaumenge in den drei Tagebauen Inden, Hambach und Garzweiler bei 86,3 Millionen Tonnen.

Von Anfang an bedeutete der Braunkohleabbau in Gruben und später in immer größeren Tagebauen einen Eingriff in die bestehende Kulturlandschaft der Ville und der westlich anschließenden Jülicher und Zülpicher Börde. Besonders gilt das für die heutigen Großtagebaue Zukunft-West, Inden, Hambach und Garzweiler. Wälder mussten gerodet werden, landwirtschaftlich genutzte Flächen wurden aufgegeben, eine Vielzahl von Dörfern und Weilern wurden umgesiedelt. Straßen, Autobahnen und sogar ein ganzer Fluss, die Inde, wurden verlegt. Der Grundwasserspiegel muss großflächig abgesenkt werden. Es entstanden Tagebaulöcher und Abraumhalden riesigen Ausmaßes.

Von Anfang an standen solchen bergbaulichen Eingriffen in die Umwelt aber auch Bemühungen und Rechtsvorschriften gegenüber, sie durch nachhaltige Rekultivierungsmaßnahmen zu kompensieren. Schon seit Ende des 18. Jahrhunderts wurden die damals noch kleinen Gruben und Bergehalden der Ville wieder aufgeforstet. Heute bestehen umfangreiche Rekultivierungsprogramme für einen forstlichen Wiederaufbau ehemaliger Waldgebiete und für die landwirtschaftliche Rekultivierung des früher fruchtbaren Ackerlands. Sie tragen immer auch dem Naturschutz Rechnung und vielerorts auch der Freizeitgestaltung der Menschen, wie z.B. der Blausteinsee im ehemaligen Tagebaugebiet Fortuna-West und die Sophienhöhe als Wandergebiet am Nordrand des Großtagebaus Hambach.

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