Kreide-Kalksteine als Naturwerksteine

Kreide-Kalksteine als Naturwerksteine

Grundriss des nördlichen Teils des Tunnelsystems im Untergrund des St. Pietersbergs (De Grood 1998)
Grundriss des nördlichen Teils des Tunnelsystems im Untergrund des St. Pietersbergs (De Grood 1998)

Überall im Südlimburgischen Hügelland wurde von Kreide-Kalksteinen als Werkstein für das Bauen oder als Rohstoff für das Kalkbrennen Gebrauch gemacht. Welche Kalksteine als Baumaterial eingesetzt wurden, richtete sich nach ihren Eigenschaften und nach ihrer geologischen Verbreitung.

Im Südosten sind die Vijlen-Kalksteine der Gulpen-Formation weit verbreitet. Sie sind wegen ihres relativ hohen Tongehalts (20%) nicht frostbeständig und wurden deshalb bevorzugt für den Innenausbau z. B. in Kellergewölben oder zum Bau von Backöfen („Backofenstein”) verwendet.

Im westlichen Hügelland herrschen die Kreide-Kalksteine der Maastricht-Formation vor. Feuersteinfreie Lagen wurden in Steinbrüchen gewonnen oder unterirdisch in weit verzweigten Tunnelsystemen aus dem Berg herausgesägt. Beispiele für solche Untertagegewinnung findet man im St. Pietersberg und Cannerberg südlich Maastricht aber auch in Valkenburg und Sibbe. Aus dem St. Pietersberg wurden im Laufe der bis in das frühe Mittelalter zurückreichenden Geschichte seines unterirdischen Bergbaus rd. 8 Mio Kubikmeter Kalkstein entnommen. Die Gesamtlänge der Gänge soll hier weit mehr als 200 km betragen haben.

Abbaumethode der Kalksteine
Abbaumethode der Kalksteine

Für den unterirdischen Abbau geeignete Kalksteinschichten waren vor allem der Nekum-Kalkstein oder an anderen Orten der Valkenburg-Kalkstein. Große Blöcke, oft bis 6 m hoch wurden mit Sägen und Meißeln aus dem Anstehenden gelöst und später in kleinere Formate passend gesägt. Zwischen den Abbaustrecken blieben Pfeiler unberührt, um die Stabilität der Untertageräume zu garantieren. Heute sind Besichtigungen der Gangsysteme an vielen Orten als „Grotten” touristische Attraktionen.

Im ganzen Südlimburger Hügelland sind viele Bauernhöfe und Bürgerhäuser in den Dörfern und Städten aus den meist blass gelblich anwitternden örtlichen Kalksteinen erbaut. Auch waren die Maastrichter Kalksteine bevorzugte Werksteine für repräsentative Bauten wie Schlösser, Kirchen und Klöster.

Ein besonderer Naturbaustein der Maastricht-Formation ist der Kunrader Kalkstein im Nordosten des Hügellandes. Er tritt in einzelnen 20 – 30 cm dicken, festen Bänken zwischen weicheren Kalkschichten auf, und seine Bänke sind durch regelmäßige Kluftmuster zerteilt. Er konnte also als ein bereits durch Bankung und Klüftung vorformatierter Bruchstein genutzt werden. Viele Häuser und repräsentative Bauten im Nordosten des Hügellandes sind aus diesem Kunrader Kalkstein erbaut. Bei Bocholtz bestanden bereits die Grundmauern römischer Landhäuser aus diesem einheimischen Kalkstein.

×
no_value