Geschichte des Steinkohlenbergbaus im Wurmrevier

Geschichte des Steinkohlenbergbaus im Wurmrevier

Steinkohlenbergbau im Wurmrevier
Steinkohlenbergbau im Wurmrevier

Steinkohlen entstehen aus pflanzlichen Ablagerungen. Diese bilden zuerst Torf und bei Überlagerung durch andere Sedimente unter Einwirkung höherer Temperatur und höherem Druck zunächst Braunkohle und dann Steinkohle.

Die Steinkohlen des Wurmreviers sind aus pflanzlichen Ablagerungen der Oberkarbon-Zeit (zwischen 320 und 296 Mio Jahre vor heute) hervorgegangen. Insgesamt 1.550 m Oberkarbon-Schichten mit über 50 Steinkohleflözen waren hier durch Bergbau und Bohrungen erschlossen.

Über den Pannesheide-Schichten folgen die Kohlscheid-Schichten und darüber die Alsdorf – und Merkstein-Schichten. Alle diese Schichten wurden gegen Ende der Oberkarbon-Zeit zu einer breiten Muldenstruktur, der Wurmmulde, eingefaltet (Variszische Faltung). Im Süden ist der Faltenbau eng und gegen Norden verkippt. In nördlicher Richtung nimmt die Faltungsintensität deutlich ab. Die Mächtigkeit jüngerer Deckschichten - Meeressande mit Braunkohleflözen aus der Tertiär- Zeit und Flussterrassen der frühen und mittleren Quartär-Zeit nimmt dagegen deutlich zu. Steinkohlengebirge und Deckgebirgsstockwerk sind durch Nordwest-Südost streichende Querstörungen in Horste und Gräben zerteilt, die um mehrere hundert Meter gegeneinander versetzt sein können.

Seit dem Mittelalter wurde im mittleren und nördlichen Wurmtal mit unterschiedlicher Intensität Steinkohlenbergbau betrieben. Erste urkundliche Hinweise auf einen Kohleabbau auf dem Gelände der ehemaligen Abtei Klosterath (Rolduc) sind schon aus dem 12. Jahrhundert überliefert. Systematischer Bergbau setzte aber erst im 14. Jahrhundert ein. Aus den Talhängen, von denen aus die Kohlenflöze leicht erreicht werden konnten, ließen sich die ersten Gräbereien, Schächte und Stollen leicht zum Fluss hin entwässern. Im 18. Jahrhundert ließ sich die Kohle durch den Einsatz technischer Mittel bei der Wasserhaltung auch bis 40 m tief unterhalb des Wurmtal-Niveaus abbauen, so u. a in den Zechen Gouley, Laurweg und Neue Furth. Aber erst seit dem 19. Jahrhundert konnte die Kohlegewinnung im Tiefbergbau erfolgen. Viele Kleinzechen schlossen sich damals zur „Vereinigungsgesellschaft für den Steinkohlenbergbau an der Wurm” zusammen. Sie wurde 1906 vom Eschweiler Bergwerksverein übernommen, der damit zu einer der damals größten Zechengesellschaften Europas wurde.

Schon 1845 war es bei Mariadorf und Alsdorf gelungen, mit Schächten durch den dort 40 m mächtigen lockeren Tertiärsand in das Steinkohlen führende Oberkarbon-Stockwerk vorzustoßen (Gruben Maria, Anna I und Anna II). Seit 1900 erlaubte dann ein neues Schachtbohrverfahren das Abteufen von Schächten durch noch mächtigere Deckschichten aus Sand und Kies. Das ermöglichte die Gründung weiterer Bergwerke auch im nördlichen Wurmrevier (Grube Adolf in Merkstein, Grube Carolus Magnus in Übach-Palenberg, Grube Carl Alexander in Baesweiler und nach 1960 Grube Emil Mayrisch in Siersdorf). Zwischen 1955 und 1958 erreichten die damals aktiven 8 Zechen im Wurmrevier ihre höchste Förderleistung.

Seit 1960 ließen dann die Konkurrenz des Erdöls, die europäische Stahlkrise und die niedrigen Weltmarktpreise für Importkohle die Kohlefördrung wieder schrumpfen. 1992 wurde die Grube Emil Mayrisch als letzte Zeche des Wurm-Reviers stillgelegt.

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