Eisenerz-Lagerstätten der Vennfußfläche

Eisenerz-Lagerstätten der Vennfußfläche

Bis in die römische Zeit reicht der Abbau von Eisenerzen auf der Vennfußfläche zurück. Eine größere Bedeutung gewann er aber erst im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit. Hauptsächlich Raseneisenerz und Brauneisenerz waren die Abbauziele.

Raseneisenerz entsteht in Böden mit wechselndem Grundwasserspiegel. Das im Grundwasser gelöste Eisen wird dort bei Luftzutritt als oxidische und/oder hydroxidische Eisenverbindung in flözartigen Schwarten ausgefällt. Auch Brauneisenerz ist ein Mineralgemenge aus verschiedenen Eisenoxiden und Eisenhydroxiden. Es reichert sich an, wenn z. B. poröse hämatit(Fe2O3)reiche Sandsteine zirkulierendes Wasser aufnehmen, dieses das Eisen löst und bei Austrocknung des Gesteins an der Oberfäche als Brauneisenkruste wieder abgibt.

Auf der Vennfußfläche konzentrierten sich diese Verwitterungserze auf die Kalksteine der Unterkarbon-Zeit (Kohlenkalk) nördlich Breinig und bei Kornelimünster und auf die Rotsandsteine der Unterdevon-Zeit im oberen Vichtbachtal. Im Gelände erkennt man die Spuren ihres Abbaus heute noch in graben- oder trichterförmigen Gruben (Pingen) und wenig tiefen Stollen.

Nördlich von Breinig und Kornelimünster waren die abbauwürdigen Eisenerzvorkommen an bis 30 m tiefe Karstschlotten entlang der Grenze des Kohlenkalks gegen oberkarbonische Tonschiefer und Sandsteine der Walhorn-Schichten gebunden. Das gewonnene Erz wurde zunächst in einfachen Hochöfen aus Bruchstein verhüttet. Später wurde das 1846 gegründete Hüttenwerk „Rothe Erde” in Eilendorf Hauptabnehmer der Erze.

Im Vichttal war die Eisenerzgewinnung an einen breiten Streifen von eisenhaltigen Rotsandsteinen der Zweifall-Schichten (Unterdevon-Zeit) gebunden. Seit dem 15. Jahrhundert wurden in Zweifall Brauneisenerze verhüttet und geschmiedet. Wenig später folgten Hüttenwerke (Reitwerke) in Mulartshütte, Friesenrath und Stolberg (Dollartshammer). Dass im oberen Vichttal so viele Eisenwerke entstanden, hatte mehrere Gründe. Erstens konnten die Eisenerze vor Ort an der Oberfläche zusammengetragen werden oder in geringer Tiefe abgebaut werden. Zweitens versorgte der stark und dauerhaft fließende Vichtbach die Eisenwerke (Reitwerke) mit ihren Blasebälgen, Hämmern und Schlackenmühlen mit Energie. Und drittens stand in den ausgedehnten Waldgebieten östlich des Vichtbachs genügend Holz für Holzkohle zur Verfügung.


Hochofen
Hochofen
Hochofen
Hochofen

Ein Eisenwerk bestand aus einem Hochofen, einer Frischschmiede, einer Hammerschmiede und einer Schlackenmühle. Dazu kamen die zu deren Betrieb notwendigen Wasserräder.

Der Hochofen wurde von oben mit Eisenerz und Holzkohle beschickt. Das im Ofen erschmolzene Eisen wurde nach dem Abstich in einer Sandrinne aufgefangen und erkaltete zu Roheisen.

In der Frischschmiede wurde dem Roheisen durch erneutes Erhitzen und Aufschmelzen Kohlenstoff entzogen und das so gefrischte Eisen im Hammerwerk zu Stabeisen weiterverarbeitet.

Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde im Vichttal Eisen produziert. Dann konnten auch die letzten dortigen Hüttenwerke wie der Junkerhammer und der Plattenhammer nicht mehr mit der stark wachsenden Konkurrenz im Ruhrgebiet mithalten.

letzte Änderung: 2021-03-17
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