Die ganze Geschichte der Vennfußfläche

Die Zeit der Steine

Paläogeographie Vennfußfläche I
Paläogeographie Vennfußfläche II
Paläogeographie Vennfußfläche I
Paläogeographie Vennfußfläche II

Der Gesteinsuntergrund der Vennfußfläche hat eine viele hundert Millionen Jahre dauernde geologische Entwicklung durchlaufen. Seine ältesten Gesteine entstanden in der Unterdevon-Zeit und frühen Mitteldevon-Zeit, d. h. um 400 Millionen Jahre vor heute. Damals war das Gebiet Teil eines Festlandes, das die Geologen wegen der rotbraunen Farbe seiner Sandsteine und Tonsteine als Old Red-Kontinent bezeichnen. Nach Norden erstreckte sich dieser Kontinent bis ins heutige Schottland. Nach Süden, im Gebiet der heutigen Eifel und Ardennen, wurde er von einem flachen Schelfmeer umsäumt. Seit der späteren Mitteldevon-Zeit und frühen Oberdevon-Zeit überflutete dieses flache Meer auch die südlichen Küstengebiete des Old Red-Kontinents. In seinem tropisch warmen Wasser kam es zur Bildung von Riffkalksteinen, gebankten Kalksteinen und kalkig-tonigen Schlammablagerungen (Mergeln). In der späteren Oberdevon-Zeit breiteten sich vor den Flussmündungen seiner Nordküste Flachwassersande und sandige Tonschlämme aus. In der Unterkarbon-Zeit wiederholte sich die Kalksteinbildung noch einmal.
Seit Beginn der Oberkarbon-Zeit begann im Süden, im Gebiet der heutigen Eifel, ein kräftiger tektonischer Zusammenschub der dort gebildeten Sedimentgesteinsstapel und die Heraushebung eines das ganze heutige Mittel- und Westeuropa umgreifenden Gebirgszuges („Variszisches Gebirge”). Vor dessen Nordrand, also auch im Bereich der heutigen Vennflußfläche, verlandete das Meer und in ausgedehnten Waldmooren bildeten sich Torfschichten, aus denen später Steinkohlenflöze hervorgingen. Gegen Ende der Oberkarbon-Zeit wurden auch diese Steinkohlen führenden Oberkarbon-Schichten von dem tektonischen Zusammenschub erfasst. Damals entstanden die Faltenzüge des heutigen Voreifel-Gebietes mit Sätteln und Mulden(Aachener Sattel, Walhorner Mulde, Inde-Mulde) und weit nach Norden reichenden Überschiebungen (Walhorner, Eilendorfer, Burscheider und Aachener Überschiebung).
Es dauerte dann viele weitere Millionen Jahre bis das auf diese Weise herausgehobene Gebirge durch Bäche und Flüsse wieder fast auf Meeresspiegelniveau abgetragen war. Das Eifelvorland blieb also lange Zeit Festland. Erst im Rahmen eines allgemeinen Meeresspiegelanstiegs in der Zeit der Oberkreide wurde es von Norden her vom Meer überflutet. Mehr als 80 m Küstensande und Kreide-Kalksteine kamen in diesem Kreide-Meer zur Ablagerung. Unmittelbar nach Ende der Kreide-Zeit zog sich das Meer wieder aus der Nordeifel und ihrem Vorland zurück. In der mittleren Tertiär-Zeit kehrte es noch einmal kurzzeitig wieder. Es hinterließ weit verbreitet reine Quarzsande. Seit Ende der Tertiär-Zeit unterliegt das Gebiet der heutigen Vennfußfläche einer andauernden Oberflächenverwitterung und Abtragung.

Die Zeit der Reliefbildung

Die Zeit der Reliefbildung auf der Vennfußfläche
Die Zeit der Reliefbildung auf der Vennfußfläche

Zunächst waren es in flachen Senken fließende Flüsse und Bäche, die das Gebiet in Richtung Norden entwässerten. Dann begann vor 800.000 - 700.000 Jahren eine verstärkte Heraushebung der Eifel und Ardennen, und die Flüsse und Bäche folgten einem stärkeren Gefälle nach Norden. Zuerst spülten sie die noch lockeren tertiärzeitlichen Sande ab. Dann durchbrachen sie die darunterliegende feste Kreide-Kalksteindecke. Danach fiel es dann selbst kleineren Fließgewässern nicht schwer, auch die darunter noch unverfestigt gebliebenen Kreide-Sande bis auf die vor-kreidezeitliche Einebnungsfläche des Grundgebirgstockwerks abzuräumen. Auf diese Weise entstand die leicht nach Norden geneigte Vennfußfläche, in der die meist steilstehenden devonischen und karbonischen Sandsteine, Kalksteine und Schiefer in von Südwest nach Nordost verlaufenden Streifen an die Oberfläche treten. Dem Ausbiss der verschieden verwitterungsbeständigen Schichten entspricht eine Abfolge von Flachrücken und flachen Senken. Die kleineren Bäche hielten sich an die flache Senken. Flüsse wie die Göhl, die Weser, der Iterbach und der Periolbach auf belgischer Seite und die Wurm, die Inde und der Vichtbach auf deutscher Seite richteten sich dagegen eher nach dem Nordgefälle der Vennfußfläche und durchbrachen in Abständen die aus Kalkstein oder Sandstein bestehenden Flachrücken. Auf diese Weise entstand das heutige „spalierartige” Abflussnetz.

Die Zeit der Menschen

Frühgeschichtlich war die Vennfußfläche wohl ein geschlossenes Laubwaldgebiet, in dem vielleicht einzelne mittel- oder jungsteinzeitliche Jäger- und Sammler-Sippen umherstreiften oder sogar siedelten. Eine Umgestaltung der Landschaft durch Menschen begann wahrscheinlich erst mit dem Auftreten der Kelten. Sie verstanden mit Erzen umzugehen und beuteten u. a. die Galmei-Lagerstätten aus. Ein auch später von den Römern genutzter Handelsweg von Eupen über Walheim und Kornelimünster nach Eschweiler geht wohl auf sie zurück. Schon damals wurde das dichte Waldland einer ersten Rodung unterzogen. In der folgenden Römerzeit wurden die Verkehrswege weiter ausgebaut und feste Straßen errichtet. Das Gebiet um Kornelimünster wurde mit der Siedlung Varneum Kultzentrum, und Breinig und Breinigerberg erhielten durch das dort gefundene Galmei-Erz eine Bedeutung als Siedlungsort. Auch die Nutzung der Galmeierz-Vorkommen im Vichttal begann bereits in keltisch-römischer Zeit.
Unter den Karolingern kam es zu einer weitreichenden Urbarmachung der Vennfußfläche. Dabei spielte die Klostergründung Kornelimünster eine bedeutende Rolle. Am Ende des Mittelalters war der größte Teil er Vennflußfäche kultiviert und die meisten der heute bestehenden Siedlungen angelegt. Zum Ackerbau kam damals der Abbau und die Verhüttung von Eisenerzen und Galmeierzen und als wichtiger Handwerkszweig das Tuchmachergewerbe. Orte wie Zweifall, Stolberg, Kelmis und Eupen erhielten eine zentrale Bedeutung. Politisch war die Vennfußfläche ein geteiltes Land. Der Westen gehörte zum Herzogtum Limburg, die Mitte war Territorium der Abtei Kornelimünster, im Osten hatten die Herzöge von Jülich das Sagen. Nach dem Wiener Kongess, also in gemeinsamer preußischer Zeit, nahm die Bedeutung des Blei-Zink-Bergbaus im Göhltal und im Vichttal noch einmal deutlich zu. Die Landwirtschaft ringsum blieb dagegen zunächst noch auf Selbstversorgung und weniger auf den Markt gerichtet. Erst als sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts die gewerbliche und industrielle Entwicklung im Aachen-Stolberger Raum beschleunigte und sich gleichzeitig das Verkehrswegenetz auf dem Lande verdichtete, begann im Bereich der Vennfußfläche die Umwidmung von immer mehr Ackerland in Wiesen und Weiden zugunsten einer einträglichen Milch- und Fleischproduktion. Bis heute besitzen das „Eupener Butterländchen” auf belgischer Seite und das „Münsterländchen” auf deutscher Seite einen ausgesprochenen Grünlandcharakter. Nach dem 2. Weltkrieg erhöhte sich durch die rasche Bevölkerungszunahme in den nördlichen Ballungsgebieten die Attraktivität der zunächst noch ländlichen Ortschaften auf der Vennfußfläche als Wohnstandorte und führte zur Expansion ihrer bebauten Flächen.